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11

Wald und Forstwirtschaft

11.1

Die wirtschaftliche Nutzung des Waldes soll in Art und Umfang der Bedeutung des Natur- und Umweltschutzes gerecht werden. Sie muss auf der Gesamtfläche den höchstmöglichen Grad an Naturnähe und Umweltverträglichkeit erreichen. Die entscheidenden Ziele sind die Sicherung der positiven Wirkungen des Wal- des auf Wasserhaushalt, Boden und Klima, die schonende Erzeugung des umweltfreundlichen Rohstoffs Holz und die Bindung von möglichst viel Kohlendioxid, die Erhaltung und Schaffung von Lebensräumen für Pflanzen- und Tierarten und die Sicherung und Entwicklung von Bestandteilen heimatlicher Landschaften, von Erholungsfreiräumen und von Naturerlebnisgebieten für die Menschen.

11.2

Im einzelnen fordert die LNU:

11.2.1

– verstärkte weitere Anstrengungen zur Erfassung, Erforschung und Minderung von Schadstoffimmissionen, besonders auch von Stickstoffverbindungen;

11.2.2

– gezielte und planvolle Vergrößerung der Waldfläche durch Aufforstung mit einem hohen Anteil standortheimischer Baumarten und durch Sukzession ohne Störung des typischen Landschaftscharakters (hierzu sind finanzielle Anreize im Rahmen der Agrarpolitik zu intensivieren);

11.2.3

– eine Gewähr dafür, dass Vorschriften und Maßnahmen zur Waldvermehrung nicht die Pflege und Entwicklung von für den Artenschutz wichtigen Lebens- räumen wie beispielsweise Magerrasen, Mooren und Hudewäldern gefährden;

11.2.4

konsequente Verhinderung von Rodungen (Umwandlungen in andere Nutzungsarten) – Wälder bleiben Tabuzonen für die Errichtung von Windkraft- anlagen; wo Rodungen unumgänglich sind, müssen großzügige Ersatzaufforstungen erfolgen; ausgleichende Ersatzaufforstungen haben nicht nur der Fläche, sondern besonders den Funktionen der Waldflächen und dem Alter der Waldböden Rechnung zu tragen; allerdings darf das Rodungsverbot nicht die Entstehung von "Wald auf Zeit" auf dem Wege der Sukzession verhindern;

11.2.5

Vorrang für die Naturverjüngung unter Ausnutzung aufkommender Sukzessionsstadien (dies gilt auch auf Windwurfflächen und sonstigen Katastrophenflächen; künstliche Bestandsbegründung ist erforderlich, wenn die natürliche Verjüngung zu unerwünschten Folgebeständen führen würde);

11.2.6

– Ersatz energieintensiver Baustoffe wie Stahl und Aluminium durch Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern wo immer möglich, jedenfalls bei öffentlichen Baumaßnahmen (bei der Verwendung von importiertem Holz müssen die ökobilanziellen Nachteile weiter Transporte berücksichtigt werden);

11.2.7

– Ersatz fossiler Brennstoffe durch vermehrte Nutzung von Holz in emissions- kontrollierten Kleinfeuerungs- und Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen;

11.2.8

– Konsequente Umsetzung und Kontrolle des Programms "Wald 2000 – Waldnutzung und Walderneuerung im Staatswald des Landes Nordrhein-Westfalen" – Hierzu gehören

 

a) die Erarbeitung von Umsetzungshilfen, z.B. durch die Anlage und Betreuung von Versuchs- und Weiserflächen,

 

b) die Bereitstellung des erforderlichen Personals,

 

c) die Berücksichtigung des Wissens örtlicher Naturschützer im Vorlauf zu allen forstlichen Planungen (Forsteinrichtung) und

 

d) vollständige Waldbiotopkartierungen, Waldbiotopbewertungen und aktualisierte Waldfunktionenkartierungen;

11.2.9

– Erweiterung und Verbesserung des Schutzes aller seltenen und besonders schutzwürdigen Lebensräume im Wald, z.B. von Altholz und Totholz, von Horst- und Höhlenbäumen, Felsen und Quellen, Suhlen, Waldtümpeln und -lichtungen durch Verträge und Verordnungen sowie Pflege und Entwicklung der für die Artenvielfalt besonders wichtigen gestuften Waldränder;

11.2.10

– einen besonders schonenden Umgang mit den Waldböden durch

 

a) weitestgehende Beschränkung des Befahrens der Waldböden auf dauerhaft festgelegte Rückelinien und Erschließungswege sowie Aufgabe und Rückbau nicht benötigter Wege,

 

b) Berücksichtigung von Naturschutzaspekten bei Art und Zeitpunkt des Maschineneinsatzes,

 

c) Wahl der Abstände der Erschließungslinien so, dass Schäden an Boden und Pflanzen minimiert werden,

 

d) Förderung von bestandsschonenden Rückeverfahren durch den Einsatz von Rückepferden und

 

e) die Beschränkung des Neu- und Ausbaus von befestigten Waldwegen auf Ausnahmefälle und dann schonend sowie unter Beteiligung der Naturschutzbehörden und -verbände;

11.2.11

– Verzicht auf neue Entwässerungsmaßnahmen und Rückbau bzw. Rückentwicklung vorhandener Entwässerungseinrichtungen, wo immer sie nicht mehr für die forstwirtschaftliche Nutzung erforderlich sind, besonders in Naturschutzgebieten;

11.2.12

– aus ökologischen und ökonomischen Gründen Verzicht auf Maßnahmen im Sinne einer "sauberen Forstwirtschaft" (z.B. Ernten wertloser Einzelstämme oder von Stämmen aus schwierigen Lagen, vollständiges Aufarbeiten von Windwurfflächen) außer bei akuter Bedrohung durch Borkenkäferkalamitäten;

11.2.13

– Bindung der Förderung forstlicher Maßnahmen im Privatwald an deren Ausrichtung auf naturnahe Bewirtschaftung;

11.2.14

– Anpassung der Schalenwildbestände auf ein Niveau, welches die natürliche Erhaltung des Waldes in der Regel als naturnaher, sich selbst verjüngender, ungleichaltriger Mischwald sicherstellt. (Dies kann auf Grund von Verbissgutachten und Mindestabschussplänen geschehen. Die Methoden der Verbissgutachten müssen weiterentwickelt werden, weil gegenwärtig der zum Teil ständige und vollständige Verlust aufkommender Naturverjüngung im Sämlingsstadium – v.a. der Rotbuche und deren Begleitbaumarten – nicht berücksichtigt wird. Wildbestände, Schafherden und andere Pflanzenfresser, die zeitweise auf größerer Fläche keine Naturverjüngung zulassen, sind in Ausnahmefällen in speziell dafür eingerichteten Schutzgebieten möglich bzw. wünschenswert);

11.2.15

– Begrenzung des Sammelns von Pilzen und Beeren im Walde soweit, dass Bestand und Lebensfähigkeit der Pilz- und Strauchvegetation nicht gefährdet wer- den (insbesondere das kommerzielle Sammeln, das Sammeln von Pilzen, die dem Sammler unbekannt sind, und das Sammeln mit technischen Mitteln sind zu untersagen);

11.2.16

– Beschränkung der Verkehrssicherungspflicht im Wald auf Straßen und Wege – möglichst differenziert nach deren Bedeutung und tatsächlicher Nutzung;

11.2.17

– Beschränkung der Erholungsnutzung von Wäldern dort, wo diese Nutzungen (z.B. Mountainbiking, Reiten, Skilauf, Volksläufe, Mitführen nichtangeleinter Hunde) zu unvertretbaren Belastungen des Waldökosystems führen (In manchen Schutzgebieten sind Ruhezonen mit Wegegebot einzurichten. In Naturschutzgebieten sollte ein Betretungsverbot außerhalb der Wege gelten);

11.2.18

– Zügige Ausweisung der angekündigten Waldreservate, und zwar innerhalb von Grenzen, die unter Naturschutz-Aspekten festzulegen sind (erforderliche Wald- flächen, die nicht im Staatseigentum stehen, sollten durch vertragliche Vereinbarungen mit Kommunen oder Privatwaldbesitzern und / oder durch Flächentausch einbezogen werden);

11.2.19

– Ausweisung besonders schutzwürdiger und entwicklungsfähiger Teile von Naturschutzgebieten als Totalreservate mit dem Ziel eines vollständigen Nutzungsverzichtes, und zwar zusätzlich zu den Naturwaldzellen, die nach Möglichkeit vergrößert und vermehrt werden sollten;

11.2.20

– Ausweisung von Schutzgebieten für Waldbestände, die von bestimmten historischen Waldnutzungsformen (z.B. Schneitel-, Hude-, Haubergs- bzw. Niederwaldwirtschaft) geprägt sind, sowohl aus Gründen des Artenschutzes als auch als Zeugen der Vergangenheit (diese Waldbestände sind durch entsprechende forstliche Eingriffe nach Möglichkeit in dem gewünschten Zustand zu erhalten);

11.2.21

– rechtzeitige Beteiligung der anerkannten Naturschutzverbände bei der Ausweisung von Schutzgebieten im Wald und bei der Erarbeitung von allen naturschutzwirksamen Planungen, z.B. allen Waldpflegeplänen, und natur- schutzrelevanten Maßnahmen, die aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht durchgeführt werden;

11.2.22

– Verbot des Einsatzes von Herbiziden;

11.2.23

– Verbot, des Einsatzes von Insektiziden mit Ausnahme bei bestandsbedrohendem Schädlingsbefall (stattdessen sollen natürliche und organisatorische Methoden der Schadensvermeidung angewandt werden).

 
1. Verbandspolitik 2. Wirtschaft 3. Energie 4. Abfallvermeidung 5. Raumordnung und Verkehr 6. Naturschutz und Landschaftspflege 7. Schutz historischer Kulturlandschaften
8. Landwirtschaft 9. Gewδsser 10. Fischerei 11. Wald und Forstwirtschaft 12. Jagd 13. Umwelterziehung / Umweltbildung 14. Erholung in der freien Landschaft