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6

Naturschutz und Landschaftspflege

6.1

Zu den zentralen Zielen des Naturschutzes im engeren Sinne gehören vor allem die Erhaltung der Artenvielfalt, (Biodiversität) und die Sicherung einer größtmöglichen Vielfalt natürlicher, naturnaher und halbnatürlicher Lebensräume, die jeweils zahlreich vertreten sein sollten. Arten- und Biotopschutz lassen sich auf drei verschiedenen Wegen erreichen, und zwar durch

6.1.1

– umweltverträgliche, nachhaltige Landnutzung,

6.1.2

– Pflege, Gestaltung und ggf. auch Nutzung im Sinne eines Biotopmanagements und

6.1.3

– natürliche Sukzession und andere natürliche Prozesse in Naturentwicklungsgebieten.

6.2

In jedem Einzelfall muss abgewogen werden, auf welchem Wege die Ziele des Arten- und Biotopschutzes am besten erreicht werden können.

6.3

Es bedarf auf der gesamten genutzten Fläche einer umweltverträglichen Bewirtschaftung, die nötigenfalls durch Minderung der gegenwärtigen Nutzungsintensität oder durch deren Begrenzung erreicht, werden muss.

6.4

Unerlässlich ist eine moralische und finanzielle Inwertsetzung aller nur extensiv genutzten Flächen bis hin zu ungenutzten Ländereien, Restflächen oder Saumbiotopen in Stadt und Land, die – zumindest von Fall zu Fall – auch einer spontanen Sukzession zu überlassen sind. Es darf nicht zugelassen werden, dass ganze Landschaftsräume oder Teile davon als einzige Funktion nur noch die von agraren, forstlichen oder industriellen Produktionsflächen wahrnehmen. Stets muss die Multifunktionalität der Landschaft (Grundwasserneubildung, lufthygienische Wirkung, Lebens- und Erholungsraum des Menschen, Produktionsfläche, Lebensraum für wildwachsende Pflanzen und freilebende Tiere) gewährleistet sein.

6.5

Dieser Aspekt ist nicht zuletzt auch bei der Folgenutzung zuvor agrar genutzter oder industriell überformter Sekundärbiotope, wie z.B. Industriebrachen, Steinbrüche etc. zu berücksichtigen. Auch im Innenbereich der Siedlungen gibt es naturnahe und für den Naturschutz wertvolle Flächen, wie öffentliche Grün- flächen, Friedhöfe, private Parks und Brachflächen mit schützenswerten Biotopen. Auch sie müssen bewertet, gesichert, gepflegt, weiterentwickelt und soweit wie möglich miteinander vernetzt werden. Besonders in den Übergangsbereichen zwischen den bebauten Gebieten und den land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen haben sich für die Pflanzen- und Tierarten wertvolle Rückzugsräume entwickelt, die einer besonderen Aufmerksamkeit und eines gezielten Schutzes bedürfen. Der Wert dieser Räume ist darin begründet, dass sich hier in unmittelbarer Nachbarschaft vieler Menschen infolge der extensiven oder fehlenden Nutzung besonders naturnahe Lebensräume (alte Baumbestände, Obstkämpe, Farngesellschaften auf Mauern usw.) entwickelt haben.

6.6

Insgesamt geht es auf der gesamten Fläche um die Sicherung dauerhaft funktionsfähiger Ökosysteme, in denen eine nachhaltig wirtschaftende Gesellschaft Perspektiven einer menschenwürdigen Zukunft findet, aber auch eine größtmögliche Zahl von Tier- und Pflanzenarten die erforderlichen Existenzbedingungen.

6.7

Dennoch reicht all das allein nicht aus, um die raumspezifische Vielfalt an Arten und Lebensgemeinschaften, an Biotopen und Ökosystemen ungeschmälert in die Zukunft hinüberzuretten. Zusätzlich bedarf es eines Flächennaturschutzes, der die Pflege und Entwicklung sowie die erforderliche Vergrößerung und Vermehrung solcher Gebiete sichert, in denen der Naturschutz Vorrang vor allen anderen Nutzungen hat. Besonders wichtige Forderungen zur Realisierung des notwendigen Biotop- und Artenschutzes sind:

6.7.1

– die Umsetzung eines mit den Naturschutzverbänden abgestimmten Landschaftsprogramms;

6.7.2

– die Ausweisung von 10 bis 15 % der Landesfläche als Vorranggebiete für den Naturschutz (dazu müssen auch Naturentwicklungsgebiete ohne weitere Nutzung gehören);

6.7.3

– die Optimierung der vorhandenen Schutzgebiete in Größe, Abgrenzung, Vernetzung und Pflege vor allem im Rahmen einer Betreuung und Kontrolle durch fachkundige Institutionen, wie z.B. Biologische Stationen und Vereine und Personen des ehrenamtlichen Naturschutzes, dazu gehört auch die Optimierung von Naturschutzverordnungen;

6.7.4

– der beschleunigte Abschluss der anstehenden und laufenden NSG- Unterschutzstellungsverfahren mit Verordnungen, die sicherstellen, dass die jeweiligen Schutzziele auf der gesamten zu schützenden Fläche erreicht werden;

6.7.5

– die Überführung der Kernbereiche schutzwürdiger oder entwicklungsfähiger Gebiete in das Eigentum der öffentlichen Hand oder einer anderen dafür geeigneten Initiative;

6.7.6

– die Widmung geeigneter Flächen der öffentlichen Hand für den Naturschutz;

6.7.7

– die Ausweitung des Vertragsnaturschutzes (Leistungs- bzw. Extensivierungsverträge) in der Agrarlandschaft und im Wald unter der Bedingung, dass

 

a) der Vertragsnaturschutz nicht an die Stelle notwendiger ordnungsrechtlicher Schutzvorschriften tritt,

 

b) das Schutzziel mit anderen Mitteln weiterverfolgt wird, wenn es mit Mitteln des Vertragsnaturschutzes nicht erreichbar ist,

 

c) die erforderlichen Nutzungsrestriktionen sich ausschließlich an den Erfordernissen des Naturschutzes orientieren,

 

d) das Instrument des Vertragsnaturschutzes so fortentwickelt wird, dass ein dauerhafter Schutz gewährleistet wird und

 

e) die anerkannten Naturschutzverbände rechtzeitig in fachlichen Fragen beteiligt werden;

6.7.8

– die Erfassung der geschützten Biotope gem. g 62 LG NW innerhalb von 3-4 Jahren;

6.7.9

– die Ausweisung aller geeigneten militärischen Übungsplätze als Vorrangflächen für den Naturschutz;

6.7.10

– eine zügige Vorlage der Vorschlagsliste für die Schutzgebiete nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) Richtlinie und der Vogelschutzgebiete durch die Landes- und Bundesregierung – die verwaltungsrechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Durchführung der FFH- Richtlinie in unserem Land sind schnellsten zu schaffen, vor allem auch, damit alle, die betroffen und zu beteiligen sind – nicht zuletzt die LNU selbst – mit ihren Rechten und Kenntnissen ausreichend berücksichtigt werden können –;

6.7.11

– eine Ergänzung des Netzes Biologischer Stationen überall dort, wo es noch erforderlich ist (z.B. im Kreis Olpe);

6.7.12

– große Zurückhaltung und Behutsamkeit bei jeder weiteren Erschließung der Landschaft für Sport- und Erholungszwecke.

6.8

Großflächigen Nutzungsverzicht fordert die LNU für einen künftigen Nationalpark Senne, in dem die Abgrenzung von Flächen für die Sukzession und von solchen für Biotopmanagement im Interesse des Artenschutzes und der Erhaltung historischer Kulturlandschaften noch zwischen den verschiedenen Interessenrichtungen des Naturschutzes abzustimmen ist.

6.9

Wenn alle zuvor genannten Maßnahmen nicht ausreichen, ist auch die Ex-Situ- Erhaltung von Pflanzen- und Tierarten unter Mithilfe kompetenter Einrichtun- gen (Zoologische und Botanische Gärten, Wissenschaftliche Institute etc.) zu betreiben. U.a. zu diesem Zweck kooperiert die LNU mit dem Verband der Botanischen Gärten auf Basis der "Greifswalder Erklärung".

 
1. Verbandspolitik 2. Wirtschaft 3. Energie 4. Abfallvermeidung 5. Raumordnung und Verkehr 6. Naturschutz und Landschaftspflege 7. Schutz historischer Kulturlandschaften
8. Landwirtschaft 9. Gewδsser 10. Fischerei 11. Wald und Forstwirtschaft 12. Jagd 13. Umwelterziehung / Umweltbildung 14. Erholung in der freien Landschaft